Reaktivierung der Wieslauftalbahn bis Welzheim als Tourismusbahn
… der Zug kommt …
Am Rande der Region Stuttgart führt von Rudersberg nach Welzheim in den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald eine der schönsten Nebenbahnstrecken Baden-Württembergs. Über drei einmalige Viadukte mit herrlicher Aussicht ins Wieslauftal, durch verträumte Abschnitte mitten in der Nähe des Naherholungsparadies Ebnisee erreicht die Wieslauftalbahn ihren Endpunkt Welzheim im Zentrum des Welzheimer Waldes. Seit 1992 steht die gesamte Strecke mit allen Bauwerken unter Denkmalschutz als Kulturdenkmal, da sie die am aufwendigsten gebaute Nebenbahnstrecke mit Bergbahncharakter ist, die derart komplett erhalten ist.
Seit der vorläufigen Einstellung des Verkehrs durch die Deutsche Bundesbahn 1988 nach einem Hangrutsch gab es jahrelang immer wieder Diskussionen um die Zukunft dieser Bahnstrecke. Seit 1995 fährt im unteren Streckenabschnitt zwischen Schorndorf und Rudersberg-Nord die privatisierte Wieslauftalbahn, die bundesweit als Vorzeigeprojekt für modernisierten Schienennahverkehr gilt. Für den Streckenabschnitt nach Welzheim wurden einem Tourismusverkehr gute Chancen eingeräumt.
Doch wer sollte das Projekt "Wieslauftalbahn als Tourismusbahn" in Gang setzen? Wer sollte für die Finanzierung aufkommen? Wer sollte die eisenbahntechnische Verantwortung übernehmen?
Der Förderverein Welzheimer Bahn e.V. (FWB)
Am 17. März 2000 wurde in Welzheim der Förderverein Welzheimer Bahn e.V. (FWB) gegründet. Dies war das Ergebnis einer jahrelangen erfolgreichen Zusammenarbeit des Vereins Historische Schienenfahrzeuge Dampfbahn Kochertal e.V., der Bürgerinitiative Wieslauftalbahn bis Welzheim, des Vereins zur Erhaltung der Wieslauftalbahn e.V. mit Sitz in Schorndorf und weiterer einzelner Welzheimer Bürgerinnen und Bürger.
Finanzierung der Streckensanierung
Das ursprüngliche Finanzierungskonzept sah für die Streckensanierung Kosten in Höhe von 2,5 Mio DM vor, wovon 2,1 Mio DM zu je einem Drittel von der Stadt Welzheim, vom Rems-Murr-Kreis und vom Land Baden-Württemberg bewilligt sind. Zu ehrenamtlichen Eigenleistungen in Höhe des Restbetrages von 400.000 DM hat sich der Förderverein verpflichtet. Der Gemeinderat in Welzheim stimmte als erster im April 1999 diesem Konzept zu.
Im August 1999 folgte die Zustimmung des Verkehrsausschusses des Rems-Murr-Kreises. Im Mai 2000 kam der Förderbescheid für die Gewährung der Landesmittel aus der Tourismusförderung. Nachdem die Finanzierung gesichert war, gründeten die Stadt Welzheim und der Förderverein Welzheimer Bahn e.V. (FWB) am 25. Juli 2000 die Schwäbische Wald Bahn-GmbH (SWB). Die Aufgabe der GmbH ist es, die Baumaßnahmen abzuwickeln und die Schiene wieder befahrbar zu machen und die Schieneninfrastruktur betriebsfähig vorzuhalten.
Zusatzkosten für Bahnübergänge gesichert
Durch die Forderung der Eisenbahnaufsicht nach einem Ausbau der sechs schienengleichen Bahnübergänge mit technischen Sicherungsanlagen musste die Finanzierung noch einmal neu auf den Prüfstand. Wegen der dadurch erforderlichen Baumaßnahmen wurden auch zeit- und planungsaufwendigere Planfeststellungsverfahren notwendig. Die zusätzlichen Kosten für die technischen Sicherungen der Bahnübergänge in Höhe von ca. 1,5 Mio Euro werden nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz zu einem Drittel von der Schiene und zu zwei Teilen vom Land Baden-Württemberg (Straße und Landesanteil) getragen. Der Anteil der Schiene in Höhe von 544.000 Euro wurden durch Finanzierungszusagen der Stadt Welzheim, des Rems-Murr-Kreises und eine Spende der Andreas-Stihl-Stiftung im Jahre 2003 abgedeckt. Somit ist auch die Finanzierung dieser zusätzlichen Ausgaben gesichert.
Drei Planfeststellungsverfahren
Am 24. Juni 2003 wurde zwischen der Schwäbischen Waldbahn GmbH und dem Besitzer der Strecke, dem Zweckverband Verkehrsverband Wieslauftalbahn ein Pachtvertrag für den Abschnitt Rudersberg-Oberndorf-Welzheim abgeschlossen. Am 31.7.2003 wurde die verkehrsrechtliche Genehmigung zum Betreiben der Eisenbahninfrastruktur der Schwäbischen Waldbahn GmbH durch das Umwelt- und Verkehrsministerium Baden-Württemberg erteilt. Die gesamten Planfeststellungsunterlagen über alle Baumaßnahmen wurden auch im Sommer 2003 beim Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht. Die Planfeststellung für Bahnsteige wird Anfang 2004 vom Regierungspräsidium erteilt. Der Planfeststellungsbeschluss für Bahnübergänge folgt im Juni 2004, der zur Hangsanierung Mitte 2005. Erste Baumaßnahmen wären danach im Herbst 2005 und ein Zugverkehr 2006 denkbar gewesen, wenn nicht seit Februar 2005 ein neues Problem bei dem nicht im Zuständigkeitsbereich des Fördervereins liegenden Streckenabschnitt von Rudersberg-Nord nach Rudersberg-Oberndorf aufgetaucht wäre.
Wiesel fährt nach Oberndorf - Rechtsverfahren abgeschlossen
Schon lange war die Verlängerung des öffentlichen Verkehrs auf diesem Abschnitt beschlossen, wegen eines Kreisverkehrs vor einem Bahnübergang und diverser Einwendungen von Anliegern zog sich die Planfeststellung lange hin. Inzwischen ist die Planfeststellung erfolgt. Der Förderverein sagte der Gemeinde Rudersberg 20.000 Euro als Unterstützung zu. Letztlich brachte der Gemeinderat Rudersberg die Wieselverlängerung nach Klärung der Finanzierung u. a. durch den Zuschuss vom Förderverein wieder auf den Weg (14:9 Stimmen). Einige Anlieger klagten vor Verwaltungsgericht Mannheim gegen die Wieselverlängerung. Die Klage wird am 28.10.2005 ohne Revisionszulassung abgelehnt. Eine Nichtzulassungsbeschwerde beim BVG Leipzig durch die Spedition Knecht hält die endgültige Entscheidung weiter auf. Am 12.8.2006 meldet die Presse , dass die Wiesel-Verlängerung Rudersberg (Nord) nach Rudersberg-Oberndorf nun endgültig gebaut werden kann, da das Bundesverwaltungsgericht Leipzig die Nichtzulassungsbeschwerde einer Anliegerfirma abgelehnt hat und damit den Planfeststellungsbeschluss des RP Stuttgart vom 14. Mai 2004 bestätigt hat.
Seit dem 10.6.2008 ist die ÖPNV-Verlängerung nach Oberndorf in Betrieb. Deren Fertigstellung war auch Voraussetzung für die Tourismusbahn nach Welzheim. Nach Abschluss aller Rechtsverfahren und nach Ausarbeitung der Ausführungsplanung wurden im Januar 2007 die Baumaßnahmen ausgeschrieben. Die Auftragsvergabe erfolgte im Mai 2007.
Offizieller Baubeginn der Tourismusbahn
war mit dem 1. Spatenstich am 22. Mai 2007 am Bahnhof Welzheim. Die Betriebsaufnahme ist für den 8. Mai 2010 vorgesehen. Als Veranstalter der Fahrten steht der Verein DBK Historische Bahnen e. V. bereit.
